Carolina Waterfowl Rescue

Cupid Cupid

Das Carolina Waterfowl Rescue (CWR) ist eine Organisation in den USA, die sich für verletzte Vögel einsetzen. Angela Vanhoy ist Leiterin der Rehabilitation und hat einen sehr bewegenden Beitrag auf der facebook Seite geschrieben. Ich habe ihn übersetzt und bestimmt finden sich in ihrer Geschichte auch viele deutsche Gänsefreunde wieder:

Ich wurde gebeten, einen Artikel über die Rehabilitation bei Carolina Waterfowl Rescue zu schreiben. Es fiel mir sehr schwer, ein Thema auszuwählen, das ich den Lesern vorstellen wollte. Es gibt so viele bedeutende Themen: unsere neue Ausrüstung, das fortlaufende Lernen, sich entwickelnde Techniken und sogar Mitgefühlsmüdigkeit. Letztendlich habe ich mich jedoch entschieden, eine persönliche Geschichte über eine Gans zu teilen, die mein Leben für immer verändert hat.

Manchmal enden Geschichten im echten Leben nicht glücklich. Dies ist eine dieser Geschichten. So herzzerreißend sie auch ist, sie hatte einen tiefgreifenden Einfluss auf mich. Im September erreichte CWR ein Anruf bezüglich einer Gans, die mit einem Pfeil in ihrem kleinen, schwachen Körper umherging.

Unser Hotline-Team hat umgehend einen Transport organisiert und am Sonntag, dem 22. September 2024, brachte unser Transportteam aus South Carolina die Gans zum CWR. Unser Reha-Team handelte sofort, reinigte die Wunde, verabreichte Medikamente und verband die Verletzung.

Als ich am Montagmorgen zur Arbeit kam, ging ich in den Behandlungsraum und begann meinen Tag damit, ihre Akte zu lesen. Ich ahnte nicht, dass ich gleich der Gans begegnen würde, die mein Leben verändern würde. Als wir mit der Untersuchung begannen, wickelte ich die Wunde vorsichtig ab und schüttelte ungläubig den Kopf. „Wie um alles in der Welt lebt diese Gans noch, nachdem sie von einem Pfeil durchbohrt wurde?” dachte ich. Während ich sie untersuchte, sah ich freiliegendes Gewebe, das wie ein Teil der Leber aussah. Ich entschied, dass ich Röntgenaufnahmen brauchte, um die innerlichen Verletzungen beurteilen zu können. Als ich die Bilder betrachtete, sah ich, dass sein Brustbeinknochen durch den Aufprall gebrochen war. Noch schockierender war, dass er fünf Kugeln im Körper hatte. Nach allem, was diese Gans durchgemacht hatte, kämpfte er immer noch um sein Leben.

Als er auf dem Untersuchungstisch lag, sahen seine sanften braunen Augen mich an, als wollten sie mir sagen, dass er meine Hilfe brauchte. In diesem Moment wurde mir klar, wie sehr ich nicht nur dieser Gans, sondern allen Tieren helfen wollte. Viele Leute versuchten, ihm einen Namen zu geben, aber für mich war der perfekte Name für die Gans, die mein Herz gestohlen hatte, Cupid (deutsch: Amor, der römische Gott der Liebe, der oft als geflügeltes Kind mit Pfeil und Bogen dargestellt wird).

Er war ein kleiner Engel, voller Liebe. Jeden Tag versorgte ich seine Wunden. Er schaute mich an, als wüsste er, dass wir ihm helfen würden, und blieb während der Behandlung vollkommen still und geduldig. Ich überwachte sein Gewicht, stellte sicher, dass er fraß und trank, und verabreichte ihm seine Medikamente, um Infektionen zu bekämpfen und seine Schmerzen zu lindern.

Jeden Morgen eilte ich in die Krankenstation, um alle unsere Patienten zu überprüfen, und Cupid lernte bald meine Routine kennen. Er erwartete mich an der Tür seines Geheges, um mich zu begrüßen. Ich gab ihm seine Medizin und sprach mit ihm, während wir den Tag begannen. Wenn sein Appetit nachließ, machte ich ihm einen frischen Salat mit Gemüse, Tomaten und Mehlwürmern – seine Lieblingskombination. Besonders liebte er das Gemüse. Ich tat alles.

Ich habe alles, was mir einfiel, getan, um dieser lieben Seele zu helfen. Und dann … Am 12. Dezember 2024 begann ich wie gewohnt mit den morgendlichen Medikamentengaben. Als ich mich Cupids Stall näherte, bemerkte ich, dass er nicht wie üblich an der Tür wartete. Mein Hals schnürte sich zu, mein Herz begann zu rasen.

Als ich sein Gehege erreichte, sah ich seinen zerbrechlichen, leblosen Körper dort liegen. Cupid war tot. Tränen liefen mir über das Gesicht, doch ich konnte sie nicht zurückhalten. Ich trug seinen Körper in den Behandlungsraum – es fühlte sich an, als wäre ich Meilen gelaufen. Ich habe seinen Ring entfernt, den ich heute noch als Erinnerung trage. Dieser sanfte Engel verlor sein Leben, weil manche Leute denken, es sei akzeptabel, Tiere als Zielscheibe zu benutzen.

Mit seinem freundlichen Wesen weiß ich, dass er niemals jemandem wehgetan hätte. In jener Nacht lag ich wach, dachte an Cupid und weinte. Ich habe alles hinterfragt: Haben wir genug getan? Hätten wir mehr tun können? Was haben wir verpasst? In diesem Moment habe ich mir ein Versprechen gegeben: Ich werde alles in meiner Macht Stehende tun, um jedem Tier zu helfen, das zu CWR kommt. Cupids Tod wird das nicht ändern.

Seine Geschichte bestärkte meinen Entschluss, für die Stimmlosen zu sprechen. Cupid war an diesem Tag der wahre Held, und ich werde mich immer an ihn erinnern.

Angela Vanhoy — Direktorin für Rehabilitation

Quelle: https://www.facebook.com/cwrescue

Unterstützen Sie CWR mit einer Spende, damit wir weiterhin für die Tiere kämpfen können, die auf uns angewiesen sind. Auf der Homepage cwrescue.org kann man per PayPal spenden in US$.